Schuhkonsultation
Tanja Neve-Seyfarth

 

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MICAM – ökologisch?

Widmet die Messe einer sauberen Schuhproduktion Aufmerksamkeit?

Vom 03. – 05. März 2014 war ich auf der wohl weltweit grössten Schuhmesse theMICAM in Mailand und habe nach ökologisch hergestellten Labeln Ausschau gehalten. Interessant: auf meine vorgängige Anfrage bei der Messeorganisation hin, ob es einen speziellen Hallensektor für umweltfreundlich produzierte Schuhe gäbe, sagte man mir: nein. Aussteller seien zwar vorhanden, jedoch auch nirgendwo gebündelt gelistet. Ich machte mich auf die Suche. Es blieb mir und meiner Kollegin nichts anderes übrig, als alle Hallen systematisch abzulaufen. Wir verfuhren nach einer simplen Methode: bei den Schuhen, die uns gefielen, blieben wir stehen und fragten nach ökologisch hergestellten Modellen. Genau 2 Mal wurden wir fündig.

Ein Label, das zu 100% in Spanien hergestellt wird, ist „Ona“ (www.onaorganic.com). Die Fusskleider werden komplett aus nachhaltigen Roh-Materialien hergestellt und mit in Handarbeit gefertigten Designs aus Stoffen bezogen. Jedes Modell ist ein Einzelstück und somit ein kleines Kunstwerk. Auch die sozial saubere Herstellung wird in Augenschein genommen: vernünftige Arbeitsbedingungen, keine Kinderarbeit und Materialien aus fairem Handel sind ein Muss.

Ein weiteres Highlight ist das Label „coclico“ aus New York (www.coclico.com ), das jedoch auf Mallorca produziert wird. Die wunderschönen Schuhe für Frauen in gedämpften Farben sind eigenwillig und doch zeitlos – und haben ihren Preis: $375,- für ein paar Sandalen der neuen Frühjahrskollektion sind Standard. Dafür werden ausschliesslich natürliche, umweltfreundliche oder recycelte Materialien eingesetzt: pflanzlich gegerbtes Leder aus zertifizierten Gerbereien, Holz, Cork für die Innensohlen, recycelter Schaumstoff sowie blei- und nickelfreie Metalle.

Nur wenige Aussteller waren bereit, einen offenen und ehrlichen Diskurs zur ökologischen Herstellung zu führen. Was jedoch die meisten LederschuhanbieterInnen mit denen wir ins Gespräch kamen, zugaben, war die Tatsache, dass eine genaue Herkunft der Tierhäute heute nicht mehr auszumachen ist. Selbst wenn der Schuh in Italien oder Spanien produziert wird, heisst das noch lange nicht, dass das Leder auch in Italien oder Spanien gegerbt wurde. Und selbst wenn dies der Fall wäre, so kann die Tierhaut aus Bangladesh, Indien oder Südamerika kommen. Und auf den langen Transportwegen nach Europa müssen die Tierhäute einem immensen Chemiebad zur Konservierung ausgesetzt werden.

Das Copyright auf diesen Text liegt bei Schuhkonsultation Tanja Neve-Seyfarth, CH-Zürich, 08. März 2014